„50 Mal am Tag sagt er ‘Türke’“
Wie ein Gebet,
ein Mantra,
ein Hammerschlag auf mein Trommelfell.
Türke. Türkisch.
Türke. Türkisch.
Türke.
Türke.
Türke.
Fünfzig Mal.
Jeden Tag.
Wie ein Nebel, der sich legt
über das, was ich wirklich bin.
Nicht einmal „Kind“,
nicht „Derya“,
nicht „du bist aus Zagrosstein geformt“ –
nur „Türke“.
Als gäbe es nichts anderes.
Und dann kam er –
ein Fremder aus Afrika,
mit leichtem Lächeln,
doch schwerer Bedeutung.
Er sagte:
„Vielleicht bist auch du ein Afrikaner.“
Ein Satz –
so beiläufig,
so entwaffnend falsch.
Und ich?
Ich brannte innerlich.
Denn mein Herz schlägt im Takt alter Trommeln,
aber nicht seiner.
Ich bin keine Projektion.
Ich bin kein Abziehbild ihrer Wünsche.
Ich bin das,
was ihr nicht kennt
und nie kennen werdet,
weil ihr zu viel sprecht
und nie zuhört.
Und auf der anderen Seite
tanzt der Russe
auf seinem Stahlgerüst –
nicht für sich,
sondern um den Europäern zu dienen,
und stört unsere Ruhe,
während seine Baustelle
aus den kaputten Überresten unseres kurdischen Erbes geformt ist.
Ich bin die Tochter der Berge,
die U4c1 in sich trägt,
nicht als Fremde,
sondern als Überlebende.
Ich bin keine Echo-Kammer für koloniale Flüche.
Ich bin nicht “Türke”.
Ich bin nicht “Afrikaner”.
Ich bin nicht das Stahlgerüst.
Ich bin das,
was unterdrückt wird,
weil es wahr ist.
Und wenn er es wieder sagt –
zum fünfzigsten Mal,
sage ich in meinem Innersten:
„Ich höre dich nicht mehr.
Ich höre nur noch mich.“