„Als hätte ich Angst“
„Du schaust,
als hättest du Angst“,
sagte meine Tante.
Dieselbe Tante, die einfach mal
auflegt, wenn ich versuche
normal zu sein.
Und ich?
Ich schwieg,
wie immer.
Sie sah mein Gesicht,
aber nicht, was dahinter lag.
Sie hörte meine Stimme nicht,
weil sie nie fragte,
wie es mir wirklich geht.
Ich schaue nicht aus Angst.
Ich schaue,
weil ich müde bin.
Weil ich gelernt habe,
leise zu sein,
damit es nicht schlimmer wird.
Mein Blick ist kein Flehen –
er ist Überleben.
Ein Blick, der alles sieht
und trotzdem bleibt.
Aber sie sieht nur Schwäche,
wo Schutz war.
Sie sieht Angst,
wo Würde war,
und nennt es Urteil.