“Am Bosporus“ (mit Trotz)
Ich mag keine Europäer.
Zu glatt.
Zu fern.
Zu still, wenn man schreit.
Ich will nicht in Wohnungen warten,
nicht auf Mails,
nicht auf die richtige Haltung.
Ich will mich werfen –
in das frische, salzige Wasser des Bosporus.
Zwischen zwei Kontinenten,
zwischen zwei Ichs.
Ich will die Albatrosse kreisen sehen –
auch wenn sie dort nicht leben –
weil meine Sehnsucht größer ist als Ornithologie.
Ich will bungeejumpen von der Brücke,
nicht aus Mut,
sondern um mich selbst
im Fall zu spüren.
Um zu sagen:
„Hier bin ich. Ich war da.“
Um mich zu verewigen,
nicht in Beton,
sondern in Luft, Wasser, Wind.
Ich will ankommen –
nicht in Ländern,
nicht in Formularen,
sondern im Moment.
Menschlich.
Echt.
Ganz.
Ich will mich fallen lassen,
nicht um zu sterben,
sondern um Vertrauen zu bauen,
ohne zu heiraten.
Ohne Papiere.
Ohne Bedingungen.
Und nein –
ich will keinen Urlaub
in meinem eigenen Land.
Nicht hingehen,
wenn es der Deutsche so will.
Ich gehe,
wenn ich will.
Und nicht,
wenn ich willkommen bin.