Genetic/Narcissistic Rage

„Am Donauursprung“

Am Rand der Quelle, kalt und klar,
wo einst die Donau wurde wahr,
da flüstert Stein und Wurzelgrund
von Anfang, Flucht und Todesstund.

Dort wandeln Menschen – Hand in Hand,
ganz still, als wär dies Niemandsland.
Nicht viele – nur ein altes Paar,
mal Frau mit Frau, mal Mann mit Mann,
mal Mann und Frau – doch immer rar.

Sie sprechen nicht, sie sehn dich nicht,
ihr Blick geht durch das Tageslicht
als suchten sie in jedem Schritt
ein Echo, das nie wieder mit.

Du fragst dich, was sie wohl bewegt,
ob Schmerz, ob Schwur, den man verschweigt –
denn keiner lacht, kein Ton, kein Klang,
nur Händedruck – so tief, so lang.

Und du, du stehst ein Stück entfernt,
hast nie so stilles Gehen gelernt.
Am Donauursprung, alt und klar,
da scheint, als wär der Abschied nah.