Genetic/Narcissistic Rage

Assimilation ohne Anerkennung?

Zur begrifflichen Unhaltbarkeit des Assimilationsbegriffs im kurdischen Kontext

1. Problemstellung

Der Begriff „Assimilation“ wird häufig zur Beschreibung der kurdischen Situation herangezogen. Diese Arbeit argumentiert, dass diese Verwendung begrifflich inkonsistent ist. Assimilation setzt die Anerkennung einer Ausgangsidentität voraus. Kurden sind jedoch strukturell mit der Verweigerung nationaler Anerkennung konfrontiert.

2. Methodik

Die Analyse erfolgt begriffskritisch. Untersucht werden:

definitorische Voraussetzungen von Assimilation

staatliche Voraussetzungen von Angleichungsprozessen

strukturelle Unterschiede zwischen Assimilation und Negation

3. Definition von Assimilation

Assimilation bezeichnet die Angleichung einer Minderheit an eine dominante Staatsnation innerhalb eines anerkannten staatlichen Rahmens. Wesentliche Merkmale sind:

Anerkennung der Minderheit als Gruppe

institutionelle Steuerung

Ziel der Homogenisierung

4. Staatlichkeit als notwendige Bedingung

Assimilation ist ohne staatlichen Rahmen nicht denkbar. Der Staat fungiert als:

Normsetzer

Durchsetzungsinstanz

Garant der Mehrheitsidentität

Ohne einen eigenen Staat fehlt der kurdischen Identität der institutionelle Resonanzraum.

5. Die kurdische Konstellation

Die kurdische Situation ist durch folgende Merkmale gekennzeichnet:

Fehlen eines eigenen Nationalstaates

Aufteilung auf mehrere Staaten

systematische Leugnung nationaler Existenz

Diese Merkmale widersprechen den Voraussetzungen klassischer Assimilation.

6. Zwangsnationalisierung als Alternativbegriff

Statt Assimilation liegt Zwangsnationalisierung vor. Diese bezeichnet:

die verpflichtende Übernahme einer staatlichen Identität

bei gleichzeitiger Leugnung der ursprünglichen nationalen Existenz

7. Vergleichende Abgrenzung

In Staaten wie Armenien oder Aserbaidschan lassen sich Assimilationsprozesse identifizieren, da:

staatliche Mehrheitsnationen existieren

Minderheiten als solche anerkannt sind

Homogenisierungspolitik explizit betrieben wird

Diese Bedingungen fehlen im kurdischen Fall.

8. Diskussion

Die unpräzise Verwendung des Assimilationsbegriffs:

verwischt Machtverhältnisse

individualisiert strukturelle Gewalt

verschleiert staatliche Verantwortung

9. Fazit

Assimilation ist kein geeigneter Begriff zur Beschreibung der kurdischen Situation. Präzisere Begriffe sind Negation, Zwangsnationalisierung und innere Kolonisierung. Eine korrekte Begriffsverwendung ist Voraussetzung für eine sachlich angemessene Analyse.