CHG scheint Europa zu sein
Ich bin die einfache Akte.
CHG-”Kurdin”, sagen sie,
eine Linie, die ins Raster passt.
U4c1 – alt genug,
um niemanden zu stören.
Mich kann man assimilieren,
heißt es leise.
Nicht mit Gewalt,
sondern mit Formularen.
Nicht aus Hass,
sondern aus Bequemlichkeit.
Meine Herkunft gilt als kompatibel.
Nicht fremd genug für Alarm,
nicht sichtbar genug für Anerkennung.
Ich passe zwischen die Kästchen.
CHG heißt hier:
nah genug.
Kurdin heißt hier:
verwaltbar.
Man erklärt mir,
dass das gerechtfertigt sei.
Dass Geschichte sich glätten lässt,
wenn sie statistisch ruhig wirkt.
Dass Identität verhandelbar ist,
wenn sie alt, fragmentiert
und staatenlos war.
Man kann mich auch ohne Hasanlu modellieren.
Sagen sie.
Kein Problem.
Ein Klick weniger,
eine Referenz gestrichen.
Wenn ich ohne Hasanlu erklärbar bin,
bin ich auch verzichtbar.
Dann braucht es keinen Ursprung,
keine Verortung,
keine Erinnerung.
Denn was heißt schon CHG.
Auch Türken haben CHG.
Selbst Europäer.
Also ist es nichts,
was bindet.
Nichts, was schützt.
Dann sagt man:
Assimiliert sie.
Und kassiert den Staatsbonus.
Ein Erfolg in der Statistik,
ein Haken im Bericht.
So wird Identität
zur Währung.
Und Auflösung
zur Leistung.
Andere bleiben Fälle.
Ich werde integriert.
Andere Anträge werden gestoppt.
Meiner wird umbenannt.
So funktioniert Ordnung:
Nicht alle werden ausgeschlossen.
Manche werden aufgelöst.
Und weil Slawen
sprachlich außerhalb stehen,
kann Gewalt aus der Ferne geschehen,
ohne dass der Begriff Europa wackelt.
Nicht durch Bomben zuerst,
sondern durch Begriffe.
So entsteht Distanz,
nicht in Kilometern,
sondern in Definitionen.
Was weit genug wegdefiniert ist,
lässt sich leichter ignorieren.
So funktioniert Ordnung:
Nicht alle werden ausgeschlossen.
Manche werden aufgelöst.
Ich bleibe.
Aber nur als Modell.
Nicht als Geschichte.
Nicht als Ich.