Genetic/Narcissistic Rage

Dann lass doch die Deutschen über mein Leben entscheiden – ein Gedicht

Dann lass doch die Deutschen entscheiden,

wo ich atme, wo ich schweige.

Ob ich bleibe, ob ich gehe,

ob ich zähle oder vergehe.

Sie sitzen da, mit Formularen,

Blicken kühl aus Amtskammern.

Sie wiegen meine Herkunft ab

wie eine Zahl im Pass,

nicht wie einen Menschen.

Sie sagen: „Das ist zumutbar.“

Sie meinen: „Du passt nicht hierher.“

Sie lächeln freundlich,

während sie entscheiden,

ob meine Hoffnung

in Aktenordnern verreckt.

Ich soll dankbar sein,

für Luft, die ich selbst geatmet habe,

für Mauern, die mich nie geschützt haben,

für Sprache, die nie meine war.

Dann lass sie doch,

sollen sie entscheiden.

Über mein Haus, mein Wort,

meinen Körper, meine Stimme.

Aber mein Herz –

das tragen sie nicht.

Das gehört niemandem.

Nicht einmal mir.