„Der Afrikaner sagte“
Der Afrikaner sagte:
„Du hast viel durchgemacht.“
Und zum ersten Mal
klang ein Satz
nicht wie eine Anklage,
sondern wie ein Pflaster
auf offener Wunde.
Ich nickte nicht,
ich kämpfte mit dem Schweigen –
denn meine Stimme
hatten sie mir längst genommen.
Europa,
die kalte Mutter mit gläsernem Blick,
hat mich durch Türen geschleust
wie eine Nummer.
Nicht gesehen,
nur kontrolliert.
Nicht gehört,
nur verwaltet.
Und der türkische Staat –
mit seinen Fahnen,
seinen Folterzellen,
seinem „Vergiss, dass du kurdisch bist“ –
hat meine Kindheit
in tausend Stücke gerissen.
Jetzt versuche ich,
menschlich zu bleiben.
Empathisch zu wirken,
nicht weil ich muss,
sondern weil ich nicht werden will
wie sie.
Ich versuche zu lieben,
wo andere hassen.
Zu trösten,
wo ich selbst
keinen Trost fand.
Denn wenn der Afrikaner aus Bulgarien
in meinem Blick
noch etwas Echtes sieht –
dann ist nicht alles verloren.