“Der Kurde, der keine Jüdin heiraten wollte”
Er sprach von Ehre, Blut und Land,
die Heimat stets in seiner Hand.
„Ich bin ein Kurde“, rief er stolz,
„Ich liebe nur, was unsrem Volk entstolz.“
Doch als die Tochter Babylon's kam,
mit Augen alt wie Ur'ser Stamm,
da wich sein Blick, da schwieg sein Mund –
ihr Stammbaum schien ihm nicht gesund.
Er sprach: „Zu fremd, zu schwer das Leid,
zu nah der Schmerz, zu weit die Zeit.
Ich kann nicht lieben, was einst fiel
durch Bündnisse, durch Macht, durch Spiel.“
Doch kam Marie mit hellem Haar,
so frei von allem, was einst war.
Sie sprach kein Wort von Kurdistan,
doch reichte ihm die offene Hand.
Da fiel sein Schwur, da wich sein Stolz,
verblasst war Ahnenblut und Holz.
„Sie liebt mich“, sprach er leis’ und froh –
was kümmert ihn nun Jezireh, Dohuk, Dirok?
Und so vergaß er, was er schwor,
ließ Sprache, Land und Stamm im Chor
von Floskeln westlich, weich und mild –
ein Kurde nun, im eignen Bild.
Doch wenn der Wind durch Berge zieht,
ein Lied vom einstigen Volk noch flieht.
Dann fragt sich mancher, leise, bang:
Wo bist du hin, oh Widerklang?