Genetic/Narcissistic Rage

„Der kurdische Nomade“

Sie sagen, Nomaden seien türkisch.
Sie kennen die Berge nicht.
Nicht die Zelte aus schwarzer Wolle,
nicht den Ruf der Schafe bei Nacht.

Ich bin der kurdische Nomade,
der barfuß auf Schnee stand
und trotzdem lachte,
weil der Himmel mir gehörte.

Ich kenne die Bäche,
nicht vom Foto,
sondern weil sie mir Wasser gaben,
als kein Staat mich je fragte,
ob ich dürste.

Ich zog mit Ziegen,
nicht mit Lastwagen.
Ich schlief auf Felsen,
nicht auf Matratzen von IKEA.

Meine Mutter trug Feuerholz,
mein Vater ein Gewehr
für Wölfe, nicht für Menschen –
doch Menschen kamen.

Sie brachten Grenzen,
Ausweise, Stempel, Drohungen.
Sie wollten mich sesshaft machen,
so wie man Flüsse in Rohre zwingt.

Aber ich bin noch da.
Mein Blut ist Wind.
Mein Atem ist Rauch vom Lagerfeuer,
nicht von Zigaretten.

Ich brauche keinen Balkon,
keine Wohnung, kein WLAN.
Nur meinen Weg,
mein Tier,
meine Lieder –
und Freiheit,
die du nie verstehst.