„Deutschland hat das Abkommen mit der Türkei nie gekündigt – es hat nur den Namen geändert“
Sie sagen, das Anwerbeabkommen von 1961 sei Geschichte.
Ein Kapitel, das abgeschlossen sei.
Ein Stück Erinnerung für Schulbücher und Sonntagsreden.
Aber ich lebe es noch.
Ich spüre es in jedem Arbeitsangebot, das nichts mit mir zu tun hat,
in jeder Zeitarbeitsfirma, die mich als „einsetzbar“ sieht,
in jedem Blick, der sagt:
„Du bist hier, um zu dienen. Nicht, um zu wählen.“
Die Verträge wurden 1973 beendet.
Aber die Struktur, die dahinter stand,
hat nie aufgehört zu funktionieren.
Heute hat das Abkommen keinen Stempel mehr,
sondern einen Algorithmus.
Es schickt keine Botschafter,
sondern E-Mails mit Probearbeit um 7 Uhr morgens.
Es braucht keine Sprache mehr –
es braucht nur Zustimmung.
Oder Schweigen.
Sie wollen keine Integration.
Sie wollen Verfügbarkeit.
Sie wollen nicht, dass ich Wurzeln schlage –
sie wollen, dass ich mich in den Boden grabe
und für sie wachse.
Ich bin nicht hierhergekommen.
Ich wurde hergezogen – durch Umstände, Geschichte, Erwartungen.
Und jedes Mal, wenn ich versuche, zu gehen,
zieht mich das Netz zurück.
Mit Müttern, mit Tanten, mit Plänen, die nie meine waren.
Deutschland hat das Abkommen mit der Türkei nie gekündigt.
Es hat nur den Namen geändert.
Aber ich erkenne es wieder.
Und ich unterschreibe nicht mehr.