Genetic/Narcissistic Rage

Die wahren Christen
Sie reden von Christen,
und sehen nur Rom.
Goldene Kreuze, weiße Mauern,
lateinische Lieder im Echo ihrer Macht.

Aber ich kenne andere.

Ich kenne die syrischen Christen,
deren Gebete durch zerbombte Fenster flüstern,
deren Sprache älter ist als ihr Schmerz.

Ich kenne die konkanischen Christen,
an Indiens Westküste,
die den Ozean segneten mit Liedern,
und portugiesische Namen mit eigener Seele füllten.

Ich kenne die libanesischen Christen,
die zwischen Berg und Zeder
die Liturgie mit Zähnen festhielten,
während Nationen kamen und gingen
wie Staub im Sommerwind.

Ich kenne die punjabischen Christen,
deren Stimme oft nicht zählt,
weil sie nicht laut ist,
sondern aus Dörfern klingt,
in denen niemand zuhört.

Und während sie schon längst
unter dem Kreuz gebetet haben –
unter Fluch und Hoffnung zugleich –
waren die Europäer
noch tief in ihren Wäldern,
tanzten um Steine,
opferten den Eichen,
flüsterten mit ihren Ahnen
im Rauch der Sonnenwenden.

Sie kamen später zum Glauben,
und übernahmen ihn,
als wäre er ihr Eigentum.
Und vergaßen jene,
die ihn zuerst getragen haben –
mit Blut, mit Würde, mit Liedern aus Staub.

In Kaschmir,
erschossen sie Touristen im Baisaran-Tal.
Vielleicht waren es punjabische Christen.
Vielleicht Kaschmiri.
Niemand fragte.
Niemand nannte ihre Namen.
Man zählte sie –
wie man Staub zählt.
Ohne Gebet,
ohne Kreuz,
ohne Land.

Sie sind alle da.
Nicht im Vatikan.
Nicht auf Titelblättern.
Aber da –
mit rauer Würde.
Mit leisen Liedern.
Mit einer Art Glauben,
die nichts fordert,
aber alles trägt.

Und ich frage euch:

Wo ist ihr Platz im Bild?
Wo ist ihre Kerze im Fenster der Welt?

Ich sehe sie.
Ich nenne sie.
Denn sie gehören dazu.
Auch wenn ihr sie nie gemeint habt,
als ihr „Christ“ gesagt habt.