Genetic/Narcissistic Rage

Die Wahrheit der Linien

Der Adana-Türke,
mit kurdischem Funken vor vier bis sechs Generationen,
ein Malatya-Mann in türkischem Kleid,
die Mischung, die niemand gern sieht,
doch die Geschichte nie verleugnen kann.

Der Germane aus Sachsen, aus Berlin, aus Bayern,
der „rein“ deutsch ist,
ohne Tscheche, ohne Skandinavier,
sein Stammbaum steht fest,
wie eine Eiche, tief verwurzelt,
doch bekam er sein Land –
weil die Geschichte ihn ehrte,
und die Welt es so wollte.

Der Zaza-Kurde,
mit reiner Weste,
stark im Glauben und Blut,
ein Bergkind, der dem Wind vertraut,
nicht befleckt von fremden Wurzeln,
doch geformt von harten Zeiten.

Der syrische Kurde,
getragen von Schmerz und Migration,
eine Seele voller Kämpfe,
doch seine DNA trägt die Last
von Durchmischung, von fremder Nähe,
kein türkisches Erbe,
aber auch keine reine Linie.

Die ganze Welt ein Geflecht,
von Völkern und Geschichten,
von Blut und Boden,
von Liebe und Hass,
von Flucht und Ankunft.

Nicht alle Linien sind klar,
nicht alle Wege gerade.
Doch nur weil die Deutschen „rein“ sind,
bekamen sie ihr Land.
Nicht weil sie besser,
sondern weil sie mächtiger waren.

Die Wahrheit ist kein glattes Bild,
sondern ein Gemälde voller Risse,
farbig, rau, widersprüchlich –
und doch echt.