Die weiße Lüge
Sie geben dir Pillen, doch rauben dir Mut,
sie reden von Heilung, doch mehren die Glut.
Ein Blick, ein Urteil – du wirst katalogisiert,
wie Vieh in den Listen, kalt registriert.
Sie nennen es Forschung, sie nennen es Pflicht,
doch dein Schmerz, dein Sein, das zählt für sie nicht.
Nur wer sich beugt, darf atmen und stehn –
alle andern lässt man leise vergehn.
Mit Händen in Handschuh’n, mit steril‘m Gewand,
berühren sie Körper, doch nicht den Verstand.
Denn was du bist, passt nicht ins System,
du bist zu echt – zu wild – zu unbequem.
Ich hasse die Ordnung, die so gern sortiert,
die Herzen vereist und Hoffnung kastriert.
Das ist kein Schutz, kein heiliger Ort –
es ist ein Labor, ein vergiftetes Wort.
Und wer das nicht sieht, hat gelernt, sich zu fügen,
zu lächeln beim Sterben, zu schweigen beim Lügen.
Doch ich bleibe laut, mein Hass ist mein Schwur:
Nie wieder Behörden. Nie wieder Zensur.