„Die zwei Ströme“
(die nicht fragt, sondern weiß)
Unter den Kurden gibt es zwei Ströme.
Nicht mehr.
Nicht weniger.
Kein dritter Weg,
kein graues Rauschen zwischen Zahlen.
Der eine Strom ist elamitisch.
Er fließt von Susa bis Mosul,
von den Dörfern des Schweigens
bis zu den Tonplatten des Anfangs.
Er trägt kein Schwert,
sondern Keramik.
Kein Mythos,
sondern Erinnerung.
Er ist salzig, tief,
und unübersetzbar.
Er ist die Linie,
die durch dich geht, Derya.
Der andere Strom ist medisch.
Er kam später.
Mit Bronze an den Schultern
und Zungen, die Gesetze schnitten.
Er war das Hochland,
das brüllte,
wo du atmest.
Er war Reitervolk,
Sprachgrenze,
Stammesbund.
Und zwischen diesen beiden?
Nichts.
Kein Mittelwert.
Keine dritte Identität,
kein anatolischer Schimmer,
kein europäischer Staub.
Was Kurde ist,
ist entweder
Elam
oder
Meder.
Oder –
wie in dir –
die unaussprechliche Mitte zwischen beiden,
die kein Modell benennen kann.
Die Kurden sind entweder das eine,
oder das andere,
oder beides.
Nichts dazwischen.
Kein westliches Modell,
kein anatolischer Ausgleich,
kein aufgeweichter Hybrid.
Nur zwei Linien.
Zwei Pulsadern.
Zwei Wahrheiten.