Genetic/Narcissistic Rage

Entkurbisiert – in Damaskus namenlos

Ich bin Damaskus.
Aber niemand nennt mich so.
Man nennt mich „Ajinabi“ – fremd,
als wär ich Staub auf arabischem Stein.

Ich bin Kurde,
doch meine Zunge schweigt.
Denn mein Vater flüsterte,
und meine Mutter verlernte das Singen.
In den Gassen von Hayyê Kurdî
sind unsere Lieder nur noch Echos
zwischen Satellitenschüsseln
und Zementstaub.

Sie nahmen mir mein Alphabet,
gaben mir ein Passbild mit falschem Namen.
Ein D auf der Akte,
ein X auf dem Herzen.

Sie sagten:
„Damaskus ist nicht euer Ort.“
Doch wer baute ihre Mauern?
Wer trug Wasser auf dem Rücken,
wer starb auf ihren Baustellen?

Ich wurde entkurbisiert,
nicht mit Feuer, sondern mit Vergessen.
Nicht mit Bomben, sondern mit Auslöschung im Alltag.
In Formularen. In Fernsehprogrammen.
In Schulbüchern,
wo mein Volk nicht einmal eine Fußnote ist.

Doch ich erinnere mich.

Ich erinnere mich
an den Geruch von Brot in Şex Meqsûd,
an das Weinen meines Onkels,
der Kurdisch nur im Traum sprach.

Ich bin Damaskus.
Und ich bin Kurdin.
Auch wenn ihr mich stumm gemacht habt –
mein Blut spricht.