Es ist keine Frage
Sie fragt nicht,
wie es mir geht.
Nicht, ob ich gegessen habe.
Nicht, ob ich müde bin.
Sie fragt nur:
„Wo bist du?“
Doch das ist keine Frage.
Das ist ein Haken.
Ein Fangseil.
Ein Signal:
„Ich kann dich erreichen,
also kann ich dich verletzen.“
Sie fragt,
damit sie weiß,
wo mein Hals ist,
wenn sie wieder
die Worte schärft
und mir die Luft nimmt.
Sie fragt,
nicht aus Sorge.
Sondern weil sie
wissen muss,
ob sie noch Zugriff hat
auf mein Schweigen,
auf meine Wunde,
auf meinen alten Reflex
zu gehorchen.
Ich bin 36.
Und ich sehe,
was das ist:
Keine Mutterliebe.
Keine Fürsorge.
Nur Kontrolle. Nur Folter.
Versteckt in einem Satz.