Gedicht
Sie starren auf Haut
wie auf Beweise,
messen Menschen
in Pigmentwerten
und nennen das Bewusstsein.
Ihre Welt kennt nur Kontrast:
Schwarz gegen Weiß,
hell gegen dunkel,
als wäre Geschichte
ein billiger Filter.
Sie fragen: Warum bist du so hell?
Als hätte Herkunft
eine Farbtabelle.
Als wäre Identität
ein Mangel oder ein Überschuss.
Ich stehe da
und sehe, wie wenig sie sehen.
Denn ich bin kein Übergang.
Kein Fehler im Farbsystem.
Kein europäisches Versehen.
Ich komme aus Bergen,
aus Sprachen ohne Staat,
aus Linien,
die sich nicht erklären müssen.
Ich trage keine Schuld
für ihre vereinfachte Welt.
Ich schulde ihnen
keine Verdunkelung,
keine Rechtfertigung,
keine Pose.
Nennt mich nicht hell.
Nennt mich nicht dunkel.
Nennt mich nicht Symbol.
Nennt mich Kurdîn
oder halt den Mund.
Denn wer Menschen
auf Pigment reduziert,
hat nichts verstanden
— weder von Genetik
noch von Würde
noch von Geschichte.
Und ich weigere mich,
in euren primitiven Skalen
zu existieren.