Gift aus dem Nichts
Er kam aus dem Nichts.
Nicht zufällig.
Nicht suchend.
Nicht unsicher.
Sondern zielgerichtet.
Schnurstracks.
Wie ein Insekt,
das weiß, wohin sein Gift gehört.
Ich war nicht vorbereitet.
Ich stand einfach da.
Wie immer.
Ganz ich.
Doch für ihn war ich
eine Projektionsfläche.
Ein Ziel.
Ein Feind, den er sich selbst ausgedacht hatte.
Er kam näher –
und ohne ein Zögern,
ohne eine Frage,
spritzte er das Wort:
„Du bist aus Indien.“
Nicht fragend.
Nicht neutral.
Sondern wie ein Urteil.
Wie Spucke,
die treffen soll.
„Aus Indien.“
Als wäre das alles,
was ich sein darf.
Alles, was ich nicht bin.
Ich war Malatya.
Ich war Zagros.
Ich war die Erde selbst.
Aber er sah nur eine Schablone,
und stanzte mich hinein.
Es war eine Giftattacke.
Kurz.
Gezielt.
Eiskalt.
Und keiner hielt ihn auf.
Und ich sagte: nichts.
Aber in mir,
ein bitterer Brand.
Nicht vom Wort.
Sondern von der Welt,
die es möglich machte.