Heldin und Schmutz
Früher war sie die Unsichtbare,
die Hausfrau,
die Müde,
die Geplagte.
Heute ist sie Heldin.
Sie regiert mit Kochlöffel und Kalender,
krönt sich selbst im Spiegel
und lässt sich feiern
für jedes gewischte Eck.
Doch ihre Tochter?
Die ist nur noch Schmutz.
Nicht glänzend genug,
nicht still genug,
nicht passend genug
für den neuen Mythos vom perfekten Heim.
Sie sagt:
„Du bist gestört.“
„Du bist undankbar.“
„Du bist nur Ballast.“
Doch sie sieht nicht,
wie ihr Aufstieg
auf deinem Rücken liegt.
Wie ihr Glanz
dein Schweigen kostet.
Wie ihre Göttlichkeit
aus deinem erzwungenen Verschwinden besteht.