„Hund ohne Leine“
Erst nannten sie mich Terrier,
ein Kläffer, zu wild, zu laut.
Dann wurde ich zum Pitbull,
zu bissig, zu stolz, zu vertraut.
Sie sagten:
„Du wirst mal Kinder haben, du wirst sehn!“
Dann:
„Wir wollen nicht wissen, wie deine Kinder aussehn.“
Und heute?
„Sei froh, dass du keine hast –
du würdest’s eh vermasseln,
du schaffst nicht mal den Alltag,
geschweige denn das Händchenfassen.“
„Hab keine Angst“, sagten sie.
„Du machst uns keine Angst“, sagten sie.
Und doch sprachen ihre Augen
von Unsicherheit, von Flucht.
Sie wollten mich zähmen,
doch ich kam nie aus der Zucht.
Täglich nennen sie mich schizophren,
als wär das ein Fluch, den man einfach so verteilt.
Sie werfen mit Diagnosen,
doch keine Hand, die verweilt.
Sie fürchten, was sie nicht verstehen –
und sie verstehen mich nie.
Doch ich kenne meine Wahrheit,
auch wenn ich in Trümmern knie.
Jede Meinung ein Messer,
jeder Satz ein neuer Schnitt.
Sie wechseln ihre Masken,
doch die Wunden bleiben mit.
Ich bin kein Hund,
kein Kind, kein Stück.
Ich bin ich –
und nehme mein Leben Stück für Stück zurück.