Ich sehe durch
Ich sehe durch die Lügen,
die aus Lehrbüchern tropfen
wie Öl aus rostigen Rohren.
Sie sagen:
„Die Türken kamen aus dem Osten,
aus China fast,
wild, reitend, fremd.“
Doch ich sehe:
Sie kamen von hier,
vom Boden,
von Georgien,
vom selben Bergwind,
der auch die Kurden gebar.
Sie sagen:
„Die Araber kamen später,
sind rein,
ohne Spuren.“
Doch ich sehe:
Die Natufier,
aus den Tälern von Israel,
trugen Äthiopien in sich.
Nichts ist rein.
Alles ist vermischt,
weil Wahrheit nicht national ist,
sondern alt.
Und tief.
Und warm wie dunkles Blut.
Ich sehe durch
ihre Karten,
ihre Flaggen,
ihre Namen für mich,
die nicht meine sind.
Denn ich spüre:
Der Ursprung liegt nicht in Nationen.
Er liegt im Staub unter meinen Fingernägeln,
im Blick meiner Mutter,
im zitternden Licht
über Mesopotamien.