Genetic/Narcissistic Rage

Ich sehe Gesichter – schmal, kantig, bleich,
fern von der Glut, dem Wüstenreich.
Nicht wie Afrika, nicht wie mein Bild,
nicht wie ich – vom Süden mild.

Sie sprechen Kurdisch, doch wirken so kalt,
als kämen sie aus einem schneebedeckten Wald.
Ihre Stirn ist hart, das Lächeln knapp,
die Adern hell, das Haar wie Schlapp.

Und ich? Ich seh' in den Spiegel hinein,
und frage mich: Kann ich wirklich Kurde sein?
Denn meine Haut trägt wärmeres Licht,
mein Blick ist dunkel, mein Schatten bricht.

Ich sehe mich selbst – und frage: Wieso
seh' ich mehr aus wie Afrika, irgendwo?
Mehr als all die, die dort im Video steh’n,
deren Züge am Nil nie wehen.

Vielleicht bin ich anders – zu anders gar,
für einen Durchschnitt, der mir nie war.
Doch ich trag mein Erbe tief in mir,
auch wenn mein Spiegel mir sagt: „Du bist nicht hier.“