Genetic/Narcissistic Rage

Ich träumte von meinem Onkel.

Ich sah sein Gesicht –
unverändert.
Jung, frisch, wie in jenen Jahren,
als das Leben noch Hoffnung versprach.
Keine Spuren von Zeit,
keine Narben von Leid,
keine Eingriffe, keine Masken –
nur er,
wie er wirklich war:
natürlich, ehrlich, schön.

Ich träumte von meinem Onkel,
der bei einem Autounfall ums Leben kam.
Er starb in jungen Jahren,
gerade als Besserung möglich schien.
Gerade als er selbst kaum noch an sie glaubte.

Er war Kurde.
Ein Mann, der träumte –
vom Leben, von Liebe, vielleicht von Gerechtigkeit.
Ein Mann, der seine Träume aufgab,
nicht weil er wollte,
sondern weil er musste.

Man gab ihm eine Diagnose – Schizophrenie.
Aber vielleicht war es gar keine Krankheit.
Vielleicht war es nur eine Seele,
die keinen Platz fand in einer Welt,
die nur funktioniert, wenn man sich anpasst.

Er suchte Zuflucht.
In Gedanken, in Gesprächen,
vielleicht auch in der Stille.
Aber er fand keinen Halt.
Nicht bei ihr,
nicht bei ihnen,
nicht in Europa.

Europa war viel.
Europa war alles.
Europa war zu viel.

Und doch – in meinem Traum war er einfach da.
Lebendig.
Unversehrt.
Wie ein Echo aus einer Zeit,
in der alles noch möglich schien.

Ich sah sein Gesicht.
Und ich werde es nicht vergessen.