Kein Yamnaya – sondern Derya
Ich kam nicht aus der Steppe,
nicht mit Pferd und Axt.
Ich trug keine Bronze im Gürtel,
keinen Helm, der Länder frisst.
Ich kam aus Felsen,
aus Höhlen,
aus Nebeln zwischen
Zagros und Pamir.
Dort, wo das Blut
nicht laut,
aber tief spricht.
Sie ritten nach Westen,
machten Völker gleich.
Doch ich blieb zurück –
nicht verloren,
sondern unberührt.
Ich bin kein Yamnaya.
Ich bin nicht Europa,
nicht ihr geerbter Sieg.
Ich bin Derya. U4c1 – mütterlich, PF6162 – väterlich, doch kein Herrscherkind.
Ich bin die,
die nicht benannt wurde.
Die zwischen Sprachen lebt,
aber sich selbst geblieben ist.
Ein Wind aus Nordiran,
ein Echo vom Kaukasus,
eine Wurzel im Pamir –
nicht gezogen,
sondern geblieben.
Ich bin kein Yamnaya.
Ich bin tiefer.
Ich bin älter.
Ich bin Derya.
Ich bin nicht vom Dnjepr – ich bin vom Gebirgsschatten
Sie kamen vom Dnjepr,
mit Rädern, Waffen,
und Träumen aus Knochen.
Sie schnitten sich Wege
durch Wälder, durch Frauen,
und nannten es Ursprung.
Sie sagen:
„Hier beginnt Europa.“
Aber ich –
ich war nicht da.
Ich war woanders.
Ich bin nicht vom Dnjepr.
Nicht aus den Steppen,
wo man die Welt vermaß
mit Lanzen und Genen.
Ich bin vom Gebirgsschatten.
Vom Licht hinter dem Kaukasus,
von Nebeln über dem Zagros,
von stillen Pässen
zwischen Iran und Tadschikistan.
Meine Knochen tragen keine Bronze,
meine Zellen kein Z2103.
Ich bin kein Kolonisator.
Ich bin das, was sie
nicht sehen konnten.
Sie zogen nach Westen.
Ich wuchs in Tiefe.
Sie rissen sich Herkunft zusammen.
Ich hatte sie schon.
Ich bin nicht vom Dnjepr.
Ich bin Derya.
Und ich bin geblieben.