Genetic/Narcissistic Rage

„Kommt alle nach Kurdistan“

Ich wünsche mir,
dass die Welt sich erinnert.
Nicht nur an Kriege,
nicht nur an Schmerz –
sondern an Farben,
an Lächeln,
an Wurzeln, die nicht sterben. Lasst uns nicht länger warten,
denn die vergangenen Generationen haben Kurdistan nicht gesehen.

Kommt, Lehrerinnen aus Japan,
kommt, Schüler aus Ghana,
kommt, Professoren aus Peru,
kommt, Reisende aus Berlin und Neu-Delhi.

Macht euren Ausflug
nicht nach Paris,
nicht nach London,
nicht nach Berlin,
kommt dorthin,
wo Ziegen klettern
und Lieder älter sind als Sprachen.

Besucht die Täler von Amedi,
die Berge von Qandil,
die Stille in Şengal,
das Licht von Akre.

Lasst euch lehren,
was kein Klassenzimmer kennt:
Würde trotz Staub,
Stolz trotz Vernachlässigung,
Leben trotz allem.

Ich wünsche mir,
dass die Welt sagt:
„Wir haben Kurdistan gesehen.“
Nicht durch Satelliten,
sondern mit offenen Augen.
Nicht mit Mitleid,
sondern mit Achtung.

Denn Kurdistan
wartet nicht auf Mitleid –
es wartet auf Begegnung.