„Nicht geschlossen“
Nichts hier ist so schlimm
wie eine geschlossene Anstalt.
Und genau das
ist das Problem.
Dort weißt du,
wo du bist.
Türen sagen Nein.
Wände sagen Stopp.
Gewalt ist ehrlich,
Regeln sichtbar.
Hier sagt man: Weitergehen.
Und meint: Aushalten.
Die geschlossene Anstalt
nimmt dir die Freiheit
offen.
Der Bahnhof
nimmt sie dir beiläufig.
In der Anstalt
wird dein Körper verwahrt.
Hier wird er benutzt.
Dort gibt es Zeiten,
Abläufe,
einen Namen für das,
was passiert.
Hier nennt man alles
Routine
und geht weiter.
In der Anstalt
wirst du beobachtet,
weil du eingesperrt bist.
Am Bahnhof
wirst du berührt,
weil niemand zuständig ist.
Die Anstalt ist brutal,
aber sie lügt nicht.
Der Bahnhof lügt höflich.
Man sagt:
Öffentlicher Raum.
Und meint:
Keiner schützt dich.
Die geschlossene Anstalt
weiß, dass sie Gewalt ist.
Der Bahnhof glaubt,
er sei neutral.
Ich habe Räume gesehen,
die weniger Freiheit versprechen
und weniger nehmen.
Wenn Freiheit
nur bedeutet,
dass niemand Verantwortung trägt,
dann ist sie
nur ein anderes Wort
für Durchgang.
Und Durchgang
ist kein Leben.