Genetic/Narcissistic Rage

Nicht nur Irland trug das Feuer

Sie sagen:
Rotes Haar?
Ach, das kommt aus Irland.
Aus Nebel, Regen, Whiskeygläsern.
Ein Klischee mit Sommersprossen.

Aber das Feuer flackerte anderswo.
Still.
Unbeachtet.
Und manchmal wütend.

Bei den Udmurten,
fern im russischen Wald,
wo Frauen mit kupfernen Zöpfen
die Kälte schnitten wie Messer.

Bei den Berbern,
im Schatten der Wüste,
wo rotgoldene Locken
den Sand zu Asche sangen.

Bei den Kurden,
zwischen Bergen und Schweigen,
blitzte manchmal ein Haar
wie Widerstand im Wind.

Auch Juden trugen es –
rote Hoffnung, rotes Leid.
Und bei den Paschtunen
war es kein Wunder,
nur Herkunft.

Doch hier,
in meiner Stadt,
gibt es keine Rothaarigen.
Nicht eine.

Kein Kupfer in der Sonne,
kein Feuer in den Straßen.
Nur braun, nur grau,
nur die ewig gleiche Mischung.

Ich schaue,
und finde nichts.
Niemand brennt.

Sie sagen:
Rotes Haar gehört nach Irland.
Ich sage:
Es gehörte der Welt.

Und meine Stadt hat es vergessen.