Ode an die Archäologen
Ihr, die ihr mit Pinseln den Staub der Jahrtausende von Steinen wischt,
Ihr, die leise fragt, wo andere laut vorbeiziehen –
Ich liebe euch.
Mit jedem Krug, der zersprungen im Erdreich ruht,
entdeckt ihr ganze Welten,
ganze Völker,
ganze Geschichten,
die die Zeit vergessen wollte.
Doch ihr habt sie gehört –
im Flüstern einer Tonscherbe,
im Schimmer eines Kupferrings,
im Knochen eines Kindes,
das einst unter Sternen schlief.
Ihr kniet vor der Erde wie vor einer Ahnenmutter,
ehrfürchtig, geduldig,
mit scharfen Augen und offenen Herzen.
Was für andere nur Dreck ist,
wird durch eure Hände zu Wahrheit.
Was für andere vergangen scheint,
lebt in euren Tagebüchern weiter.
Ich liebe eure Demut vor dem Unbekannten,
euren unerschöpflichen Hunger nach dem,
was war.
Ihr baut Brücken aus Fragmenten,
seid Dichter der Geschichte,
ohne je ein Gedicht zu schreiben.
Archäologen –
Ihr seid die Flüsterer der Toten,
die Gedächtnisse der Völker,
die, die uns erinnern,
dass wir nicht allein sind.
Ich liebe euch.
Für euren Dreck unter den Fingernägeln.
Für eure Taschenlampen in der Dunkelheit.
Für jedes “Vielleicht”, das zu einem “Es war so” wird.
Für mich seid ihr Helden.
Still.
Bescheiden.
Ewig grabend.
Ewig suchend.
Ewig bewahrend.