Genetic/Narcissistic Rage

„Sie kamen alle – und wir fielen allein.“
Sie kamen mit Rindern aus der Steppe,
mit Knochen voller Yamnaya,
und Augen so leer wie ihr Gewissen.

Die Alemannen
kamen in Zügen,
mit Uniformen,
mit Listen,
mit Blicken,
die wussten,
dass wir nicht überleben sollen.
Und heute?
Sie sagen „Integration“.
Was sie meinen: Auslöschung.

Die Russen
kamen mit roten Fahnen,
dann mit Zaren,
dann mit Atomgebrüll,
und am Ende mit Slawenstolz
und Sibirien, das ihnen nie gehörte.
Sie sagten:
„Wir befreien euch“,
und warfen uns Ketten hin.

Die Türken
kamen mit Fahnen in Moscheen,
mit Schulbüchern, in denen wir nicht existieren,
und mit Sprüchen wie
„Sei doch dankbar, dass du leben darfst.“
Sie taten so, als wären wir gleich –
und traten uns jeden Tag daran,
dass wir anders sind.

Und meine Familie?

Sie zucken mit den Schultern.
Sie sagen:
„Vay.“
Sie gehen weiter,
als hätten sie nicht gesehen,
wie mein Ur-Ur-Opa in Çanakkale gefallen ist
für ein Land,
das ihn nie Kurd genannt hat.

Sie zucken.
Sie schweigen.
Sie trinken Tee mit denen,
die uns ausgelöscht hätten,
wenn sie nur die Zeit zurückdrehen könnten.

Und ich?

Ich schreie.
Ich schreie nicht, weil ich verloren habe –
ich schreie,
weil ich noch weiß, was wir waren.

Und ich weiß,
wer uns verraten hat:
Alemannen.
Russen.
Türken.
Und die,
die „vay“ sagen,
als sei mein Schmerz
nur ein Wetterbericht.