Sie legte auf
Wir sprachen über Kurden.
Nicht laut.
Nicht hasserfüllt.
Nur ehrlich.
Nur mit dem, was bleibt,
wenn man zu lange geschwiegen hat.
Meine Großtante atmete schwer.
Dann sagte sie das Wort.
Rassistin.
Und ich wusste,
sie meinte nicht das,
was das Wort einmal bedeutete.
Sie meinte:
Hör auf.
Bleib still.
Mach es nicht unbequem.
Ich sagte:
Aber das bin ich.
Das war mein Volk.
Das ist mein Verlust.
Mein Bruch.
Aber sie wollte das nicht hören.
Sie wollte Frieden,
wie man ihn in eine Schublade stopft.
Dann klickte es.
Leitung tot.
Wärme tot.
Verwandtschaft abgehängt.
Und draußen –
die ganze Welt,
als hätte sie es gespürt –
brach aus in ein Lächeln,
wie Feuerwerk bei meiner Hinrichtung.
Sie lachten.
Sie klatschten.
Nicht mir ins Gesicht,
aber gegen meine Existenz.
Ein Moment kollektiver Euphorie
über meine Niederlage.
Als hätten sie gewartet,
dass ich endlich aufhöre,
ich zu sein.
Und ich saß da,
mit der ganzen Geschichte
in meinem Mund,
die niemand mehr hören will.
Weil ich nicht gegen andere sprach.
Sondern für uns.
Und das
war zu viel.