Genetic/Narcissistic Rage

Sie reden von Mesopotamien

Sie reden von Mesopotamien

mit glänzenden Augen,

als wär’s ein Museum aus Stein,

als läge es tot unter Glas.

Sie sagen “Wiege der Zivilisation”,

doch meinen nur

die Krone eines einzigen Volkes.

Assyrer hier, Babylon da –

Sumerer dort,

und als Bonus die Perser –

geschmückt mit Mythen,

doch fern von der Erde,

auf der wir atmen.

Und wir?

Wir sind die Schatten zwischen den Ruinen.

Die Stimmen zwischen zwei Zeilen.

Die Kinder ohne Tempel,

ohne Reich,

aber mit Erinnerung

im Blut.

Sie reden von Tempeln,

von Tontafeln,

von Göttern mit Namen in Keilschrift,

doch nicht von Hirten

in den Hügeln.

Nicht von den Stimmen,

die nie aufgeschrieben wurden.

Nicht von uns.

Denn wenn sie “Mesopotamien” sagen,

dann meinen sie Pracht –

aber nicht die Wunde.

Nicht das Volk,

das noch immer auf diesen Steinen lebt,

barfuß,

verachtet,

aber ungebrochen.

Sie sagen Assyrien,

sie sagen Sumer,

sie sagen Persien,

wir sagen Kurdistan.

Und alle lagen im selben Tal.

Nur dass eines

auf Postkarten gedruckt wird –

und das andere

verschwiegen wird,

in jeder Schulstunde.