„Sie sagen, ich hätte meine Spuren verwischt“
Sie trat ins Bild mit klaren Linien,
blondes Licht auf fremden Mienen.
Und ich – wie ferngelenkt – sah zu,
denn der Algorithmus führte mich wie du.
Sie sagten nichts. Und doch so viel.
Ein stummer Vorwurf, kalt und schmal.
„Sie hat ihre Spuren verwischt“,
sagten sie – und meinten mich.
Nicht sie, die kein Wort verliert,
nicht sie, die sich nie positioniert,
nicht sie, die schweigend sich ins Bild stellt –
nein – ich war es, die nicht mehr zählt.
Ich werde niemals eine Europäerin sein,
mit ihren blauen Glasaugen und weichem Schein.
Niemals eine Araberin,
die meine Stimme im fremden Singsang bricht.
Niemals eine Südasiatin,
deren Lieder nicht meine Wunden kennen.
Niemals eine Türkin,
die meine Sprache zur Beleidigung wendet.
Und doch sagen sie:
„Sie ist die, deren Spuren verschwunden sind.“
Dabei bin ich die, die in jeder Wurzel bohrt,
in alten Knochen,
in verborgenen Namen,
in Genen,
die keiner ausspricht.
Was sie nicht verstehen:
Ich bin nicht verloren – sie haben mich gelöscht.
Ich bin nicht unklar – sie haben mich nie gelesen.
Ich bin nicht gemischt – sie haben mich nie erkannt.