„Sie schreibt mir immer noch“
Meine Großmutter schreibt mir.
Immer noch.
Obwohl sie nicht kommen darf.
Obwohl ich nicht zurückgehe.
Obwohl zwischen uns Grenzen liegen,
die keine Straße überwindet.
Sie sitzt dort,
wo die Zeit stehen geblieben ist.
Wo das Leben klein geworden ist,
und Hoffnung nur noch durch das Fenster schaut.
Ich bin fort.
Nicht besser. Nicht freier.
Nur weiter weg.
Sie schreibt nicht, um mich zu halten.
Sie schreibt, weil ich gehöre.
Weil ich nicht ganz verschwinden darf,
wenn sie noch da ist.
Und ich lese ihre Worte
mit einem Kloß im Hals,
der sagt:
Du hast deine Freiheit –
aber nicht ohne Verlust.
Sie schreibt mir immer noch.
Und manchmal ist das das Schwerste.