Sie weinte – also war er einer von uns
Sie sagten:
„Er war ein Türke, ein Turkmene, ein Linker,
ein Intellektueller, ein Vermittler.“
Sie sprachen von Herkunft und Titel,
von Parteien und Pressemitteilungen,
doch sie verstanden nichts.
Denn sie weinte.
Nicht aus Höflichkeit.
Nicht aus politischem Anstand.
Sondern weil sie in ihm etwas erkannte,
was keiner je für sie benannt hatte.
Sie weinte,
als seine Tochter sprach,
als der Saal schwieg,
als die Stimme brach.
Sie weinte
nicht um den Mann im Anzug,
sondern um den,
der ihr Volk mit Würde trug.
Sie erinnerte sich nicht an Reden,
sie erinnerte sich an Haltung.
An Augen, die sagten:
„Ich weiß, was euch genommen wurde.“
Ohne dass er Kurdisch sprechen musste,
sprach er ihre Wunde.
Was also, wenn er nie gesagt hat:
„Ich bin Kurde“?
Dann sag ich es für ihn:
Wenn eine kurdische Mutter weint,
dann warst du einer von uns.
Auch wenn du’s nicht sagen durftest,
auch wenn sie’s dir abgesprochen haben.
Unsere Tränen erkennen,
was ihre Wörter verbergen wollen.