Talibans Sohn
Ich nannte ihn Talibans Sohn,
im Zorn, im Schatten, nicht ganz ohne Hohn.
Doch tief in mir – ein Zweifel, ein Riss,
war er nicht Tadschikistans Kind – ganz gewiss?
Ich wusste, die Taliban treten auf
Tadschiken wie Staub – mit kaltem Lauf.
Sie löschen Gesichter, sie brechen das Wort,
sie rotten aus – und ich werf’s ihm vor?
Vielleicht war er selber nur Flüchtling vom Rand,
nicht Täter, nicht Wächter, kein Bruder im Land.
Doch meine Wut, sie schrie ohne Halt,
warf ihm ein Etikett hin – hart, kalt.
Nicht weil ich glaubte, er sei wie sie,
sondern weil ich vergessen wollt – wer bin ich wie?
Im Krieg der Bilder, der falschen Namen,
liegt oft die Wahrheit – tot zwischen den Rahmen.