🖋️ Text: „Ihr habt mich nie gefragt“
Ich bin nicht wütend, weil ich einfach nur provozieren will.
Ich bin wütend, weil ich durch zu viele Räume gegangen bin, in denen keiner gefragt hat:
„Was ist dir passiert?”
Ihr habt mich beobachtet, beurteilt, aufgenommen.
Habt meine Worte aus dem Zusammenhang gerissen, habt ein Etikett daraus gemacht.
Habt ignoriert, dass ich in dem Moment nicht euch gemeint habe, sondern jemanden,
der mir Gewalt angetan hat.
Jemanden, der sich erlaubt hat, mich zu packen, zu schleudern, zu verletzen –
ohne Recht, ohne Reue.
Und statt mich zu fragen, warum ich so reagiere,
habt ihr mich zur Täterin gemacht.
Eine Strafe. 1.500 Euro.
Als Preis für das, was niemand sehen wollte: dass ich mich nur gewehrt habe.
Ich erinnere mich an eure Freundschaften untereinander.
Wie ihr euch deckt, wie ihr euch versteht, wie ihr mir nie die gleiche Rücksicht eingeräumt habt.
Ich erinnere mich, wie ich aufgewühlt war, wie ich überfordert war,
aber nie hat jemand gesagt:
„Was brauchst du?“
Ich bin kein Fall. Ich bin kein Ausraster.
Ich bin ein Mensch. Eine Frau.
Eine, die zu lange geschwiegen hat, weil man ihr eingeredet hat, sie sei zu viel.
Aber ich sage euch:
Ihr habt nie gesehen, wie viel ich ertragen habe.
Und wenn ich es ausspreche – dann nicht, um zu zerstören,
sondern weil ich wieder heile sein will.