Genetic/Narcissistic Rage

Unliebes Deutschland,

Ich bin müde.
Ich bin erschöpft von der Entfremdung, die du mir auferlegt hast.
Ich bin ein Kind der Migration – aber nicht freiwillig.
Ich bin eine Kurdin, und ich bin in dir nie ganz angekommen.
Nicht, weil ich mich geweigert habe, sondern weil du mich nie wirklich wolltest.

Meinen Vater durfte ich erst mit einem Jahr sehen.
Ihr nennt das Familiennachzug.
Ich nenne es Trennung.
Ihr habt unsere Bindung zerrissen, bevor sie entstehen konnte.

Ich wünsche mir, dass du einmal selbst spürst, was das bedeutet:
Heimat verlieren, Wurzeln verlieren, Sprache, Wärme, Blickkontakt.
Ich wünsche dir nicht Hass – ich wünsche dir Einsicht.
Aber wenn du dich weigerst zu sehen, was du angerichtet hast,
dann bleibt mir nur der Abstand.

Und noch etwas will ich, dass du endlich verstehst:
Wir Kurden sind keine Ghetto-Kanaken.
Wir sind ein Volk mit einer tiefen Geschichte, mit Würde, mit Stolz.
Hör auf, uns mit Schablonen zu belegen, die nie für uns gemacht waren.
Hör auf, uns in Schubladen zu stecken, die euch selbst schützen sollen.

Ich will dir nichts nehmen.
Ich will nur, dass du erkennst, was du genommen hast.
Und dass du aufhörst, dich über unsere Geschichten zu stellen.

Ich bin nicht dein türkisches Mädchen.
Ich bin eine kurdische Frau.
Und ich bin nicht mehr still.