Genetic/Narcissistic Rage

Unsichtbares Land (II)

Kenia steht still im Nachrichtenraum,

zu ruhig für Angst, zu wach für den Traum.

Kein Bombenloop, kein Dauerbrand,

kein Land im permanenten Ausnahmezustand.

Man spricht vom Sudan, von Nigeria,

von Libyen im Zerfall, Jahr für Jahr.

Von Somalia, endlos im Krieg,

ein festes Bild, das sich selbst besiegt.

Die Namen rotieren, vertraut und schwer,

sie tragen das Elend stellvertretend her.

Was nicht zerbricht, nicht laut genug schreit,

verliert sein Recht auf Sichtbarkeit.

Kenia baut weiter, lebt dazwischen,

zu komplex, um es glatt zu vermischen.

Nicht tot genug für Schlagzeilenlicht,

nicht heil genug für Hoffnungspflicht.

Afrika wird nicht gelesen, nur benutzt,

nach Krise sortiert, nach Nutzen gestutzt.

Libyen brennt, Somalia fällt,

also erzählt man die gleiche Welt.

Und Kenia?

Bleibt still, bleibt klar,

verschwindet genau deshalb

im medialen Jahr.