Unter dem Video
Unter dem Video, gepostet von ihr,
einer „Russin“ – vielleicht Udmurtin – die zeigte Iran,
sprach der Schwarzafrikaner, ruhig und bequem:
„Nichts Ungewöhnliches hier zu sehen.
Nur Leute, die tanzen und lachen im Licht –
sonst seh ich da wirklich Besonderes nicht.“
Moscheen, Gesichter, das dämmernde Licht,
ein Land voll Geschichte, doch störte ihn nicht.
Kein Staunen, kein Fragen, kein Hauch von Respekt,
nur ein Satz, der die Tiefe des Ortes verdeckt.
Er sah nicht die Spuren der Völker darin,
nicht Kurden, nicht Frauen, nicht Kampf, nicht Sinn.
Er sah nur das Bild, doch nicht seinen Klang,
nicht das, was jahrtausendelang in ihm sang.
Die Russin filmte, ganz ohne Gesang,
doch sie zeigte das Alte, das ewig bestand.
Und seltsam:
Sie schien dem Iran näher als ich –
obwohl mein Blut dort liegt,
zwischen Staub und Sprache,
die man mir nahm.
Und einer, der selbst aus Verdrängung geboren,
sprach, als wär all das längst verloren.
Doch wer alles für „gewöhnlich“ erklärt,
hat entweder verlernt – oder nie wirklich gelehrt.
Denn wer Iran nur mit müdem Blick misst,
hat vergessen, wie alt diese Erde ist.