Genetic/Narcissistic Rage

Vaginas und Nähte

Sie sprechen über Geburt

wie über ein Wunder,

aber nie über das Brennen,

das Reißen,

das Danach.

Vaginas öffnen sich,

nicht wie Blumen,

sondern wie

Fleisch,

Gewebe,

Mut.

Sie bluten,

sie tragen,

sie halten aus,

während Hände greifen,

während jemand sagt:

„Wir müssen schneiden.

Es ist besser so.“

Dann kommt die Nadel.

Ein Faden wie ein Kompromiss

zwischen Überleben

und Würde.

Sie nähen,

als sei das Normalität.

Und vielleicht ist es das.

Aber keine Frau

vergisst das Ziehen,

das Sitzen auf Rissen,

das erste Pinkeln

wie Feuer.

Und doch:

Sie stehen auf.

Gehen mit Wunden,

die man nicht sieht.

Denn eine Vagina

ist nicht nur ein Ort,

an dem Leben beginnt –

sie ist ein Ort,

an dem oft

die Frau

vernäht wird,

damit alle anderen

weiterfunktionieren dürfen.

Aber was weiß ich denn schon.

Ich bin ja ein Mann –

hat sie gesagt.

Als ich blutete.

Als ich zitterte.

Als ich nicht hart genug war,

nicht weich genug,

nicht passend genug

für ihr Bild.

Was weiß ich denn schon,

wenn mein Schmerz nicht

ihre Kategorien kennt?

Vielleicht nichts.

Vielleicht nur das:

Dass es wehtut.

Und dass ich es trotzdem sage.