Was wir bewahren – du aus Stolz, ich aus Angst
Du sagst:
„Wir heiraten unter uns, weil wir auserwählt sind.“
„Unsere Linie ist rein, unsere Geschichte zu heilig, um sie zu mischen.“
Ich antworte nicht.
Denn was soll ich sagen?
Ich heirate unter uns,
nicht weil ich denke, wir seien besser –
sondern weil ich weiß,
wie schnell wir verschwinden,
wenn wir uns nicht festhalten.
Du bewahrst,
weil du stolz bist.
Weil du ein System hast,
das dich trägt, schützt, bezeugt.
Ich bewahre,
weil ich nichts habe außer meinem Schatten.
Kein Land. Kein Gesetz. Keine Sicherheit.
Nur die Angst,
dass meine Kinder Türkisch sprechen
und mich einmal fragen:
„Mama, was ist ein Kurd?“
Du sprichst von heiligen Büchern,
von Bund und Verheißung.
Ich spreche von zerstörten Dörfern
und zerbrochenem Schweigen.
Du schließt den Kreis,
weil er vollkommen ist.
Ich schließe ihn,
weil draußen Messer lauern.
Und doch,
du und ich,
wir tun dasselbe.
Wir halten etwas fest,
das die Welt uns nehmen will.
Nur du mit geradem Rücken –
ich mit zitternden Händen.