Weil wir nicht vergessen, töten sie uns
Wir haben nicht vergessen.
Nicht unsere Sprache,
nicht unsere Namen,
nicht, wo unser Blut geboren wurde.
Und genau darum
werden wir gejagt.
Sie kamen mit Fahnen,
mit Pässen, mit neuen Landkarten.
Sie brachten Wörter,
die uns erklären sollten, wer wir seien –
und was wir gefälligst zu vergessen hätten.
Doch wir vergaßen nicht.
Nicht die Berge.
Nicht das Wort „Dayik“.
Nicht die Stimmen unserer Ahnen,
die im Wind von Şengal, Dersim, Botan
bis Urmia flüstern.
Sie nennen uns „Stur“,
weil wir uns nicht biegen lassen.
Sie nennen uns „Rückständig“,
weil wir nicht werden wollen wie sie:
ohne Herkunft, ohne Richtung, ohne Gesicht.
Denn wir haben keine Bastarde im Stammbaum.
Keine fremden Stempel in der Seele.
Unsere DNA spricht Kurmancî,
und unsere Knochen kennen kein Vaterland,
das auf Lügen gebaut ist.
Und genau deshalb
töten sie uns.
Nicht weil wir falsch sind,
sondern weil wir
zu echt sind.
Weil unsere Existenz
ihre Geschichte entlarvt.
Weil unsere Stimmen
die Ruinen übertönen,
die sie aus uns machen wollen.
Sie wollen, dass wir schweigen.
Doch selbst im Tod
werden unsere Knochen sprechen.
„Ez kurdim.“
„Ez qet ji bîr nekim.“