Wenn du L3 trägst
Wenn du L3 trägst – dann weiß ich Bescheid,
deine Wurzeln sind alt, aus weiter Zeit.
Nicht von den Alpen, nicht Donaugetränkt,
sondern dort, wo die Sonne die Knochen lenkt.
Kein Pass, kein Name, kein weißes Gesicht
löscht die Wahrheit, die aus Mito spricht.
Denn deine Mutter war eine von dort,
wo das Horn sich beugt und der Nil hat Wort.
Du kannst in Sofia wohnen, in Wien,
doch L3 flüstert: Du kommst aus dem Glühn.
Aus Äthiopiens Wiege, aus Nubien Land,
aus Sand, aus Rhythmus, aus uralter Hand.
Ich sehe dich gehen, vielleicht blass, vielleicht stolz,
vielleicht fern vom Ursprung, in fremdem Holz.
Doch ich zähle dich nicht zu den Hügeln hier –
sondern zu jenen, mit dem Feuer in dir.
Du bist nicht Europa, so sehr du’s auch willst,
du bist, was der Mutterleib ewig stillt.
Denn L3 schreit nicht, doch sie spricht in mir:
Du bist Ostafrika, und das spür ich in dir.
Ob du’s kennst, ob du’s leugnest, ob du’s versteckst –
es ist in der Linie, die dich nicht verlässt.
Und wenn du’s vergisst, ich erinnere dich gern:
L3 ist nicht nördlich. Sie brennt – und sie fern.