Wenn selbst der Diktator ehrlicher wirkte als ihr
Ich habe euch zugesehen.
Euch mit euren Fahnen,
euren Liedern,
euren großen Worten
über Freiheit, Schwesterlichkeit und Revolution.
Und ich habe geschwiegen.
Weil ich dachte,
vielleicht bin ich das Problem.
Vielleicht bin ich nicht kurdisch genug.
Nicht laut genug.
Nicht kämpferisch genug.
Nicht nützlich genug.
Dann sprach der Diktator.
Und ich sah ihn an,
mit all seinem Stolz, seiner Gewalt,
seiner gezähmten Wut in einem Anzug.
Und plötzlich dachte ich:
„Zumindest tut er nicht so,
als würde er mich retten.“
Ihr habt mich ausgeschlossen
mit eurem Stolz,
genauso wie er es mit seinen Drohnen tut –
nur leiser.
Nur raffinierter.
Nur mit dem Wort „Genossin“
statt „Verräterin“.
Ich bin nicht hier,
um euch zu gefallen.
Nicht dem Westen.
Nicht dem türkischen Staat.
Nicht eurer kleinen, ideologischen Bühne,
die keine Wurzeln kennt,
nur Parolen.
Wenn selbst der Diktator
ehrlicher wirkte als ihr,
dann heißt das nicht,
dass ich ihn will.
Es heißt nur:
Ich will niemanden mehr,
der so tut, als sei er auf meiner Seite,
aber mich nicht mal anschaut.
Ich bin keine Uniform.
Kein Poster.
Kein Mythos.
Ich bin die,
die ihr vergessen habt.
Und ich vergesse euch nicht.