„Wir sahen euch alle“
(ein Gedicht der kurdischen Seele)
Wir sahen euch kommen –
mit Fahnen, mit Göttern, mit Waffen,
ihr nanntet euch Herren der Welt,
doch wart nur Schatten auf unserem Berg.
Europäer,
ihr bautet eure Reiche aus Knochen,
verkauftet Freiheit – und sperrt uns ein.
Eure Menschenrechte?
Ein Stück Papier, das bei Kurden nie griff.
Araber,
ihr nanntet uns Brüder –
doch eure Panzer rollten über unsere Dörfer.
Eure Sprache war uns Kette,
eure Religion – ein Messer mit zwei Schneiden.
Türken,
ihr habt uns nicht assimiliert –
ihr habt uns nur gebrochen und dann behauptet,
wir seien euch ähnlich.
Doch wir erinnern uns an die Namen,
die ihr uns genommen habt.
Afrikaner,
ihr seid selbst Opfer gewesen –
doch ihr habt uns nie gesehen.
In euren Augen: kein Volk, kein Schmerz,
nur ein Orient, den ihr verachtet.
Südasiaten,
ihr nanntet euch uralt –
doch eure Blicke gingen an uns vorbei.
Nie wart ihr bei uns, nie habt ihr gefragt,
nur auf euren Tellern unser Brot.
-—
Und doch –
stehen wir noch.
Ohne Staat. Ohne Stimme.
Aber mit Erinnerung.
Und einem Herz, das nicht vergisst.