„Wir sind nicht wie ihr.“
Wir sind nicht Kayseri.
Wir sind nicht Fahne.
Wir sind nicht die,
die euch zujubeln,
während ihr auf uns spuckt.
Wir sind nicht das vergoldete Schweigen,
das euch so bequem geworden ist.
Nicht das feige Nicken,
nicht das gebückte Lächeln beim Amt.
Mein Ur-Ur-Opa ist gefallen in einem Krieg,
den ihr heute feiert –
aber nie verstanden habt.
Nicht für euch ist er gestorben.
Sicher nicht für Kayseri.
Sicher nicht für euren Stolz.
Ich bin Kurdin.
Ich erinnere mich.
Und ich vergesse nicht.
Mein Bruder war in Odessa.
Er verkehrt nicht mit Feinden.
Er küsst nicht die Hände,
die uns versklavt haben.
Er liebt, wen er will.
Er lebt, wie er fühlt.
Er spricht, ohne sich zu bücken.
Und das reicht.
Denn selbst wenn ihr uns nicht wollt –
wir existieren.
Stolz.
Stur.
Und unaufhaltsam.
Und wenn ich alles sage,
was euch in Brand setzen müsste –
sagt ihr nur: „Vay.“
Vay...
als wär mein Schmerz nur ein Wetterbericht.
Vay...
als hättet ihr nie mit uns gegessen,
nie unser Blut getragen,
nie gewusst, was wir verloren haben.
Euer „Vay“ ist nichts.
Es ist euer Grabstein auf unserer Erinnerung.
Euer letzter Schutz vor der Wahrheit,
die euch längst überholt hat.