Wo habt ihr die Kurden hin versteckt
Wo habt ihr die Kurden hin versteckt,
zwischen Akten, Kartenrändern,
unter Worten wie international,
die alles glätten, was schmerzt.
Ich suche sie nicht in Flaggen,
nicht in Hymnen, nicht in Parolen.
Ich suche sie in Küchen,
in Namen, die man falsch ausspricht,
in Sprachen, die man uns abgewöhnt hat.
Wo habt ihr sie gelassen,
als ihr Grenzen gezogen habt
mit Lineal und Gleichgültigkeit,
als ihr sagtest: Seid leise, passt euch an,
wir meinen es doch gut?
Ich sehe sie in Blicken,
die sich erklären müssen,
in Zungen, die zwei Wahrheiten tragen,
in Kindern, die fragen:
Warum klingt mein Zuhause fremd?
Wo habt ihr die Kurden hin versteckt—
in Bergen, sagt ihr,
in Geschichte, sagt ihr,
in zu kompliziert, sagt ihr
und schließt das Buch.
Aber wir sind da.
In jedem „noch nicht“, das uns anhängt.
In jedem „Name ist türkisch“,
der mehr verschweigt als sagt.
In jeder Sprache, die wir sprechen,
und jeder, die wir vermissen.
Wir sind nicht verschwunden.
Wir sind verteilt.
Und wir tragen uns weiter—
leise, hartnäckig,
unübersetzbar.