Wo Leben einst lag
Früher kam das Leben ins Haus,
nicht die Frau ins System.
Die Wände kannten ihren Schmerz,
der Boden kannte ihr Blut.
Die Luft war warm von Atem,
nicht kalt von Maschinen.
Hebammen hockten,
nicht über –
sondern bei ihr.
Die Mutter sprach,
und man hörte.
Nicht Stille –
nur Raum.
Manchmal kam ein Arzt.
Nicht um zu führen,
sondern zu helfen.
Er setzte sich leise
zwischen Teppich und Schüssel,
blieb,
bis das Leben da war
und das Licht nicht mehr flackerte.
Heute liegt sie
zwischen Formularen und grellem Neon,
ihr Körper fragt nicht mehr,
er wird gefragt.
Doch irgendwo,
tief im Becken,
ruft noch das alte Wissen:
„Ich bin nicht krank.
Ich bin Geburt.“