Zwei Frauen
Das Mädchen davor – so rein,
kein Kettenrauch, kein Hohn, kein Schwein.
Sie weinte leise, fast unsichtbar,
und trug die Welt wie offenes Haar.
Sie bat nur eins: „Bitte, rauch nicht“,
doch der Mann schlug ihr das Licht.
Ihre Tränen fielen auf kalten Stein,
niemand trat je für sie ein.
Jetzt steht da eine andre Frau,
mit Feuerzeug und Zigarettenbau.
Sie lacht, sie zündet an, sie schaut,
als wär der Rauch das, was sie braucht.
Sie hat nie geweint, nie gelitten,
ihr Leib unberührt von Männerfäusten,
doch sie vergiftet mich beim Vorbeigehen,
als wär mein Atem nichts als Dunst im Spähen.
Die Reine wurde gebrochen,
doch die Giftige wird hochgezogen.
Keine Schande klebt an ihr,
obwohl sie jeden mit Dunst verziert.
Was ist das für eine Welt geworden,
wo Asche Kronen trägt,
und Tränen in Vergessenheit verdorren?